Logo SATTLEREI FREIMÜLLER
Startseite
Von der Auseinandersetzung mit der Natur zum Handwerk
 
Sättel
Maß-Sättel
Spanische Sättel
Westernsättel
Wanderreitsättel
und Einzelstücke
Handelsware-Sättel
 
Lederhandwerk
und -verarbeitung
Hochwertige Lederprodukte
Für das Pferd
Für die ReiterInnen
Für den Hund
Für die Jagd
Für Sport & Freizeit
Für Werkzeuge & Messer
 
Rundumservice
für die Reiterei
Stallbesuche & Beratung
Zubehör & Ausrüstung
Reparaturen & Aufpolstern
Service für Reitställe
& Vereine
Weiterbildung & Seminare
 
Die Sattlerei
Kurt Freimüller
Die Sattlerei
Der Sattel im Museum
Medien-Berichte | Reaktionen
Sattler-Links & Netzwerk
Sattlerkontakt -
Wie, wo und wann
Sattlerimpressum
 
©  2019 by Sattlerei Freimüller
 
           •••••••••••••••
 
Medien-Bericht
 
[Servus 2011.11]
Kunststücke eines kärntner Cowboys
Von Wyoming an den Wörthersee: Wie Kurt Freimüller die Liebe zum Leder entdeckte und zu einem der besten Sattler Europas wurde.

Text: Harald Nachförg  
Fotos: Nuno Filipe Oliveira / Petra Rainer

Nur damit da gleich einmal mit einem Missverständnis aufgeräumt wird. Das Horn vorne auf einem Westernsattel ist nicht zum Anhalten da. Es hat eine wichtigere Funktion. Man zurrt hier das Lasso fest, wenn man Vieh eingefangen hat. Und weil sich das natürlich kräftig dagegen wehrt und einen Zug auf den Sattel bringt, dass du glaubst, die frei werdenden Kräfte reißen dich samt deinem Pferd um, muss der Knubbel unglaublich stabil sein. „Meistens ist er daher aus Stahl. Und in den Sattel muss er so eingearbeitet sein, dass er selbst größten Belastungen standhält und der Rücken des Pferdes geschont wird", sagt Kurt Freimüller.

Der Kärntner könnte in der Werbung den Marlboro Man geben. Nur dass er nicht raucht. Aber Cowboy war er. Oben in Wyoming. Auf einer Ranch. Auf einem Hochplateau in 2.500 Meter Seehöhe. „Da kämpfst du schon allein wegen der Luft schnell mit der Müdigkeit. Erst recht, wenn du sieben Tage die Woche 12 bis 15 Stunden im Sattel sitzt und 600 Stück Vieh zu beaufsichtigen hast", sagt Kurt. Und dann, grinsend: „Man weiß dann auch, warum Cowboys so gehen, wie sie gehen."

Aber da sind wir schon mittendrin in der Geschichte. Fangen wir am Anfang an. Da, wo wir in Krumpendorf am Wörthersee sein Haus entdecken. Umgeben von Wald und Wiese und einem Mühlbach, der gurgelnd durch sein Gehöft fließt. Ein stilles Paradies, wenn uns nicht die Hunde angekündigt hätten. Akela, das Schäferweibchen, und Duende, der Australian Cattle Dog, machen sofort Radau, als wir vor Freimüllers Sattlerei stehen. Die Pferde in der Koppel direkt davor schnauben zwar auch kurz, stellen dann aber bloß die Ohren auf und beobachten neugierig, wie die Fremden die Treppe auf der Außenseite des Holzhauses hinauf in den ersten Stock steigen.

Die Türe sperrangelweit offen. „Hallo?! Jemand da?" „Ja!" Und schon steht ein 34-Jähriger vor dir, der trotz seiner Jugend zu den besten Maßsattelerzeugern Europas zählt. Der eine Tradition hochhält, wie sie sonst nur mehr in wenigen Ländern, Spanien zum Beispiel, gepflegt wird. Und der sein Sortiment mittlerweile auch auf andere Lederprodukte erweitert hat. Ob Gürtel, Messerscheiden, Jagdtaschen oder Spezialanfertigungen - Köcher für Pfeile etwa, weil Bogenschütze ist der Kurt ja auch noch -, alles wird ausschließlich in Handarbeit und höchster Qualität hergestellt. Von ihm allein übrigens. „Das ist eine One-Man-Show", lacht Freimüller. Ein wenig Geduld müssen seine Auftraggeber also aufbringen.

MEDIZIN ODER KUNST? ODER FREIHEIT...
Angesichts der archaischen Rohstoffe Leder, Stroh, Schafwolle und Holz, des primitiven Werkzeugs und überhaupt des ganzen Flairs von Kurts Arbeitsplatz glauben die meisten Besucher, dass es den Betrieb schon seit Generationen gibt. Stimmt aber nicht. Freimüller hat sich erst 2001 selbständig gemacht. Als erster Sattler in seiner Familie. Weder wollte er wie sein Vater Arzt werden, noch tendierte er in Richtung seiner Mutter, die eine Galerie für zeitgenössische Kunst hat. „Mir haben immer die Natur, die Tiere und die Arbeit mit den Händen getaugt", sagt der Kurt. Und so brach er sein Medizinstudium ab und schlug sich als Cowboy durch. 19 war er damals - und nach dem Ferienjob im Wilden Westen mindestens um eine lebensentscheidende Erfahrung reicher. „Ich hab in Wyoming erstmals eine Westernsattlerei gesehen." Das war's. Kurt hatte seinen Beruf und seine Berufung gefunden.

Wieder zurück in Österreich, machte er sich also sofort auf die Suche nach einem Lehrbetrieb und fand in Gerhard Wind, Besitzer der gleichnamigen Sattlerei im niederösterreichischen Triestingtal, seinen Meister. „Ein unglaublich guter Handwerker. Ich habe von ihm von der Pieke auf die Maßfertigung gelernt."

Doch trotz seiner hervorragenden Ausbildung bekam Freimüller nach seinem Zivildienst keine Arbeit. Die Sattlerei ist hierzulande ein aussterbenes Gewerbe, Aufträge sind rar. Und so beschloss er auszuwandern. Nach Spanien. Dort haben Pferde im sozialen Leben - ob bei Volksfesten, Wallfahrten oder im Stierkampf - noch eine große Bedeutung, einen Mann wie ihn würde man sicher brauchen.

Leicht machte man es ihm dort zwar auch nicht, eine Stelle zu bekommen. In Al-calä de los Gazules, einem kleinen weißen Dorf zwischen Jerez und Gibraltar, hatte er aber Glück. Ein alter Sattler erkannte seine große Begabung und vertraute Kurt all sein Wissen an. „Siesta hat es bei ihm nicht gegeben", lacht jetzt der Cowboy, „aber es war unglaublich, was ich mir in den 14 Monaten, die ich bei ihm war, alles abschauen konnte."

Vor allem der Aufbau der Montura va-quera, des traditionellen spanischen Hirtensattels, hatte es Freimüller angetan. Nun fertigt er fast alle seiner Sättel nach dieser Art. „Ich will das System auch hierzulande etablieren", sagt Kurt. „Es ist für Pferd und Reiter am bequemsten. Und hat sich über Jahrhunderte im harten Arbeitsalltag bewährt."

Das ist für Freimüller deshalb so wichtig, weil er sich auf die Herstellung von Sätteln für lange Ritte mit viel Gepäck spezialisiert hat. Denn am europäischen Markt dominiert zwar der englische Sattel - der zum Beispiel beim Springreiten zum Einsatz kommt -, er ist aber ein reiner Sportartikel, der, sieben bis elf Kilogramm leicht, nur eine kleine Auflagefläche am Pferderücken hat und dem Tier maximal eineinhalb Stunden lang zugemutet werden sollte. Solche Sättel interessieren den Kurt nicht wirklich. Natürlich repariert und serviciert er sie in seinem Betrieb. Aber die große Herausforderung liegt für ihn in der Erschaffung von strapazierfähigen Kunstwerken, wie sie beim Western- oder Wanderreiten zum Einsatz kommen. Wobei es ihm sogar gelingt, das Gewicht dieser Sättel, die üblicherweise bis zu 25 Kilogramm schwer sind, um mehr als die Hälfte zu reduzieren.

DER LEHRMEISTER AUS DEM TRIESTINGTAL
„80 bis 100 Stunden Nettoarbeitszeit brauche ich, bis so ein Sattel fertig ist", sagt Kurt, der nun mit dem Halbmond, dem wichtigsten Werkzeug des Sattlers, ins fünf Millimeter dicke Leder schneidet. Denn natürlich wird beim Material nicht gespart. Nur zum Vergleich: Kostet ein Quadratmeter Industrieleder - etwa für die Schuhproduktion - rund 30 Euro, so schlagen Freimüllers Häute mit dem Vierfachen zu Buche. Dafür sind sie stark, vollnarbig und rein pflanzlich gegerbt. Ja, und auch in Kärnten hergestellt.

Vor der Bearbeitung des Leders, das er später mit Prägewerkzeugen kunstvoll verziert, und vor dem ebenso aufwendigen händischen Vernähen, das nicht nur Fingerspitzengefühl, sondern auch viel Kraft erfordert - Kurt hat deswegen das Thaiboxen fast ganz aufgegeben, weil ihm die Hände manchmal so schmerzen -, wird freilich erst einmal der Pferderücken vermessen. So kann der Sattler ein Spantenmodell herstellen, das wiederum als Form für den Sattelbaum dient - die innerste Struktur jedes Sattels. Man kann sich das Grundgerüst als zwei auf den Kopf gestellte, bauchige V vorstellen. Diese aus Holz gefertigten Teile werden dann entweder mit Holz, Leder oder Federstahl miteinander verbunden.

Oder eben, wie es Freimüller propagiert, mit dicht gebundenem Stroh, das mit einer Rohhaut überzogen wird. Großer Vorteil: „Das Stroh windet sich mit der Bewegung des Pferdes mit, was orthopädisch ganz wichtig ist. Außerdem zieht der Schweiß des Pferdes ein - und so passt sich der Sattel noch besser an den Köper des Tieres an."

DAS BESCHLAG GLÄNZT ELEGANT
Als könnte Marón, der dunkelbraune Wallach, das bestätigen, klopft er nun unter dem Balkon der Werkstatt mehrmals mit dem Huf an die Planken. Vielleicht auch, weil er spürt - Kurt hat des Öfteren zu ihm rausgeschaut -, dass er gleich einen prächtigen, 3.200 Euro teuren argentinischen Sattel präsentieren darf. Einen fix und fertig gearbeiteten. Also bestehend aus Sattelbaum, Sitz, Gurtung und Steigbügeln - die elegant glänzenden Beschläge werden übrigens aus Andalusien importiert.

Gleich, Marón! Geduld! Wir wollen ja auch die anderen Kunstwerke anschauen. Das Zaumzeug, die Leinen, Hundehalsbänder, Taschen und alles andere, was der Kurt noch herstellt. Doch das dauert nicht lange. Es genügt ein Blick, und man weiß: Das ist für die Ewigkeit gemacht.

Und so rumpeln wir jetzt doch mit dem Kurt flott die Holztreppe vorm Haus runter - der Sattel geht ins Gewicht! -, um beim Aufzäumen zu helfen. Die Hunde bellen längst nicht mehr und umrunden uns jetzt schwanzwedelnd. Sie wollen spielen. Werfen wir ihnen eben ein Stöckchen. Dem Kurt zur Hand gehen können wir sowieso nicht. Er ist ein Cowboy. Und die satteln ihre Pferde alleine.